Wieder einmal geht’s auf Bildungsmission und Wissenschaftsvermehrung mit George Nussbaumer in die Zentralschweiz zu einem Vortrag mit Musik. Und damit kein Stress entsteht, stehe ich schon wieder frühzeitig genug in Alberschwende. Gleich geht’s los und wir machen uns auf den Weg. Es gibt noch was formelles zu erledigen aber schon bald streben wir Zug um Zug westwärts unserem heutigen Ziel zu, Zug am Zugersee im Kanton Zug. (c:

Ebendort wird George von Dr. Carl Bossart, dem Dozent für Bildungs- und Sozialwissenschaften und gleichzeitig Gründungsrektor der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz PHZ erwartet.




Dank des frühzeitigen Aufbruchs und der erfreulichen, störungsfreien Verkehrssituation erreichen wir schon frühzeitig unser Ziel und wir haben noch ausreichend Zeit für ein spätes Mittagessen in der wunderschönen Altstadt.

Von hier ist es nur noch ein Katzensprung zum Hochschulgelände hinter der Kirche St. Michael. Auf Mikrophonie und Verstärkung kann verzichtet werden, das Klavier alleine tut es heute auch. Die Veranstaltung ist angekündigt als:


"Mein Herz heisst dennoch"
Begegnung mit dem blinden Pianisten George Nussbaumer, Entertainer und Kulturvermittler

Es steht ein grosser Klassenraum zur Verfügung wo George den Studenten Geschichten aus seinem Leben, über seine Art der Wahrnehmung erzählen wird. Pünktlich, wie angekündigt um 15:10 füllt sich der Raum mit jungen Lehrern und Studenten.


George checkt sogleich wieviel und welche WLANs zur Verfügung stehen. 10 Netze!


Gemütliches Mittagessen in der Altstadt, George ist online. (c;


Kommt fast schon Urlaubsstimmung auf bei der Aussicht und den sommerlichen Temperaturen


15:07 Uhr!







Die zukünftige Generation der Schweizerischen Schulbildungs-Elite macht einen äusserst positiven Eindruck auf mich und ich freue mich insgeheim, dass auch mein Sohn Nutzniesser dieses Bildungssystems mit solchen motivierten Pädagogen ist.
Dr. Bossart verbindet die Anwesenheit Georges sogleich mit einem Workshop. Die Studenten waren bereits vorgängig dazu anhalten, sich in ihrer eigenen Familie mit Vertretern der älteren Generation (70+) und deren Ansichten von Glück zu unterhalten und diese Eindrücke schriftlich festzuhalten. In Gruppenarbeit werden diese Geschichten einander vorgetragen und dann besprochen.

Nun kommt auch George zu Wort und erzählt in seiner ihm eigenen Offenheit und Unbefangenheit von seiner Behinderung und wie er sich gänzlich ohne optische Einflüsse in seinem Leben behauptet. Ich höre auch immer wieder etwas Neues bei solchen Gelegenheiten und ich staune immer wieder über die Tiefgründigkeit und Vielschichtigkeit meines Freundes Georg. Man lernt eben nie aus. Er ist an diesem Nachmittag wieder buchstäblich ein sprudelnder Quell der Inspiration, nicht nur für mich und ich beobachte die Reaktionen der Studierenden sowie den wissenden und zufriedenen Gesichtsausdruck des Hr. Dr. Bossart und verstehe dessen Intention und Gespür, die jungen Leute mit solchen aussergewöhnlichen Begegnungen an komplett andere Ansichten und Sichtweisen heranzuführen. Und wer, wenn nicht George wäre für so was besser geeignet?




Beim Abschied in Zug, Junge Menschen wollen CDs.

Immer wieder interessant zu beobachten, wie die jungen Menschen erst verunsichert sind, dann aber mit wachsendem Interesse den Ausführungen Georges gespannt folgen und schliesslich, nach anfänglicher Zögerlichkeit plötzlich die Fragen aus den jungen Leuten heraussprudeln.
Die Lektion ist für meinen Geschmack viel zu rasch vorbei, „Bad News From Home“ oder „Martha“ hätte ich schon noch gern gehört, wie auch noch ein paar Bonmots zum Thema noch ausständig sind aber Dr. Bossart gemahnt zur Eile, es sind ja viele der Studenten mit den Öffis unterwegs und es sollte ja keiner seinen Bus verpassen.

Wir müssen ja auch noch weiter, George hat heute noch einen Termin in Götzis, wenn wir da pünktlich sein sollen, müssen wir uns auf den Weg machen. Nette Studentinnen tragen uns noch den Kleinkram hinterher, als ich mit George das Piano zum Auto trage. George signiert noch ein paar CDs und wir werden von Dr. Bossart noch mit Original Zuger Kirschtorten beschenkt. Ich freue mich. Hab schon viel davon gehört, mittlerweile hab ich auch schon probiert: Genau das richtige für mich! Super!

Hr. Bossart verrät mir eine Spitzen-Abkürzungsvariante nach Schindellegi und tatsächlich kommen wir um 19:00 Uhr in Götzis genau rechtzeitig zum Beginn der Sitzung des Lebenshilfe Selbstvertretungs-Beirates.
George ist nämlich seit Dezember 2010 im Vorstand der Lebenshilfe Vorarlbergs und ist dort nunmehr das wortgewaltige und sonore Sprachrohr der Anliegen und Sorgen der Behinderten in der Lebenshilfe Vorarlberg. Soziales Engagement ist ein wichtiger Teil im Leben des George Nussbaumers und man brauchte ihn nicht lange überreden, sich für die Belange anderer Behinderter stark zu machen. Wobei ich immer etwas Mühe damit habe, George als Behinderten zu sehen, weil in meinen Augen ist er das einfach nicht, er hat keinen Führerschein, das ist’s dann aber auch schon.

Umso klarer liegt auf der Hand, wieso so viele Schulen und Bildungsanstalten George gerne als Referenten einladen. Er wirkt. Er hinterlässt Spuren in Menschen. Als Referent, als Entertainer, als Musiker, als Kabarettist, als Mensch, als Freund.